Interview mit Baxaxaxa (Januar 2023)

Als Webzine, welches sich unter anderem viel mit dem deutschen Underground beschäftigt, schadet es nicht, ab und zu mal in die Anfangszeiten zurückzureisen und ein paar Worte mit Menschen zu wechseln, die nicht nur dabei waren, sondern einen erheblichen Anteil zu dessen Entstehung beigetragen haben. Heute kommen also die einleitenden Worte im Jahre 2023 bei der Schwarzen Flamme von den deutschen Black Metal Pionieren von Baxaxaxa.

Viator:
Die legendäre Demo "Hellfire" von 1992 stellt einen kleinen Meilenstein in der deutschen Black Metal Historie dar. Mich interessiert sehr, wie die Reaktionen auf die Kassette damals waren. War diese zu den Zeiten noch sehr zögerlich, da es noch einmal bis 2012 gedauert hat, bis eine selbstständige Nachpressung, dann aber auf Vinyl herausgebracht wurde bzw. 2002 mit den Songs von Ungod? Aus welchen Ländern habt ihr besonders viele Nachfrage erhalten? Wie sahen die Reviews aus?
Condemptor:
Um ehrlich zu sein, kann ich Dir nicht mehr sicher sagen, wie genau die Reviews damals ausgefallen sind. Was ich sagen kann ist, dass das Demo im Allgemeinen gut bis sehr gut ankam. Das es 10-20 Jahre gedauert hat, bis das Demo auf Vinyl veröffentlicht wurde, hat nichts mit den Reaktionen zu tun. Wir selbst haben Baxaxaxa als Projekt angesehen und (damals) keine weiteren 
Ambitionen über die Demoaufnahme hinaus gehabt. Wir hatten Reaktionen aus aller Welt, hauptsächlich aber aus Europa und insbesondere Deutschland. 
Viator:
In euren Veröffentlichungen hört man bis heute verstärkt Einflüsse von den alten Mystifier, den ersten 2 Samael Platten und vielleicht sogar ein wenig Xantotol durch. Was macht die späten 80er und frühen 90er des Black Metals damals als auch heute so interessant? Ist es die Ehrlichkeit, das Rohe im Songwriting und dem Sound oder einfach der Fakt, dass in dieser Zeit so wichtige neue Ideen kreiert wurden, die wir heute als fast selbstverständlich erachten?
Condemptor:
Einflüsse von Mystifier und Xantotol will ich in Abrede stellen. Was nicht heißt, dass wir die Bands nicht mögen würden. Gerade Parallelen zu Xantotol will ich nicht ganz von der Hand weisen. Das ist aber Zufall. Frühe Samael waren natürlich ein großer Einfluss. Genauso wie Sodom und Hellhammer. Was macht die 80er und frühen 90er in Bezug auf Black Metal so interessant? Nun, 
das hat mindestens zwei Ebene. Zum Einen, du hast es angesprochen, war damals vieles neu und es kamen immer mehr Bands, die Musik gemacht und eine Ästhetik präsentiert haben, die man bis dahin so nicht kannte. Black Metal hatte damals seinen visuellen, musikalischen und inhaltlichen Höhepunkt. Natürlich kamen danach auch noch viele gute Bands und gute Alben. Die Basis wurde 
allerdings damals gelegt und übertroffen wurde diese Zeit nicht. Die zweite Ebene ist ganz simpel: 
Die 80er und 90er waren die Jugendzeit von 3/5 der Baxaxaxa Mitglieder. Diese Zeit hat uns geprägt und wird daher immer einen besonderen Stellenwert für uns haben. 
Viator:
Da ihr Pioniere des deutschen Undergrounds seit, würde mich interessieren ob ihr das Geschehen des deutschen Black Metals in der heutigen Zeit verfolgt? Welche Vielfalt und welch starke neue Ideen manche Bands in Umlauf bringen? Falls ja, welche Projekte sagen euch aus den letzten Jahren am meisten zu? Falls nicht, was müsste eine Band mitbringen, dass Sie euch begeistert? 
Condemptor:
Ich möchte nicht schlecht über die heutige deutsche (Black) Metal Szene reden. Es gibt mit Sicherheit viele gute Bands und wir hören auch aktuelle Bands. Aber wirklich involviert fühle zumindest ich mich nicht. Ich rede hier aber nur von meinem Empfinden und spreche nicht für die Band Baxaxaxa oder Ungod. Ich würde daher nicht sagen, dass ich die aktuelle Szene sonderlich 
konzentriert verfolge. 
Viator:
In welchem Zusammenhang steht Ungod mit Baxaxaxa, bis auf den Fakt das viele Bandmitglieder in beiden Projekten vertreten sind? Warum hat Ungod kontinuierlicher Werke spendiert bekommen und warum haben diese nicht zu Baxaxaxa gepasst?
Condemptor:
Streng genommen war Baxaxaxa ursprünglich ein reines Ungod Projekt. Wir wollten damals etwas mehr experimentieren und sahen da in Ungod keinen Platz oder nicht das Bedürfnis. Mit dem Demo war damals alles gesagt und eine Kette von unvorhersehbaren Ereignissen hat dann im Jahr 2018 dazu geführt, dass Baxaxaxa wieder auferstanden ist. 
Viator:
Warum gab es Anfang der 90er Jahre so wenig deutsche Bands, die sich am Black Metal probiert haben? Mit welchen Bands und Personen, habt ihr euch damals ausgetauscht? Gab es vielleicht doch einige Projekte im deutschen Raum, die sich einfach zu schnell aufgelöst haben und wir heute nicht mehr kennen, die ihr aber zur der Zeit zur Kenntnis genommen habt?
Condemptor:
Ich denke, es gab Anfang der 90'er schon eine Reihe von deutschen Black Metal Bands. Die wenigstens konnten sich aber dauerhaft etablieren. Ich habe den Eindruck, dass viele deutsche Black Metal Bands entweder schnell aufgelöst waren, ihren Stil änderten oder sich in eine politische Ecke bewegt haben, die sie dann ins Abseits gebracht hat. Projekte, die man kennen sollte? Nun, es ist Geschmacksache. Ich will hier nur ein Projekte nennen, welches Fulgor wäre. Auch Fulgor war ein Ungod / Baxaxaxa Projekt und eine One-Man Band. Fulgor hat drei Demos und eine 7“ veröffentlicht. Die Demos wurden vor einiger Zeit über Iron Bonehead wiederveröffentlicht und sind es wert gehört zu werden. 
Viator:
Viele Songs sind bis heute eher im Midtempo gehalten und springen nicht auf den Zug des klirrend kalten und schnellen Sounds von den meisten großen Projekten der 90er auf. Warum behaltet ihr, im positiven Sinne, dass etwas langsamere Tempo bei und seid nicht von dem damaligen Trend des Black Metals beeinflusst gewesen?
Condemptor:
Diese Frage ist eigentlich nicht zu beantworten. Wir machen halt das, was wir mögen und unserer ​Meinung nach am besten können. Wir sehen uns nicht im Hochtempobereich. Das sollen Bands wie Marduk machen. Was nicht heißt, dass wir nicht auch einmal das Tempo anziehen, wenn es passt und wir es mögen. 
Viator:
Beide Bands (Ungod/Baxaxaxa) halten nicht nur musikalisch sondern auch textlich, die alte Flamme am lodern. Warum ist Satanismus euch in euren Texten so wichtig und sollte auch heute noch Hauptthema in euren Texten sein? Weil es einfach zusammengehört und dies der Ursprungsgedanke von vielen Gründungsbands war oder weil ihr selbst an Okkultes festhaltet und ggf. auch praktiziert?
Condemptor:
Natürlich bilden Texte und Musik eine Einheit, die uns wichtig ist. Unser Sänger Traumatic schreibt die Lyrics so dass ich dazu nichts sagen kann bzw. möchte. Er hat die Deutungshoheit und es ist nicht an mir einen Einblick in seine Gedankenwelt zu verschaffen. In Bezug auf unsere innere Einstellung möchte ich eigentlich auch nichts sagen. Hier soll unsere Musik für sich sprechen. Was ich aber sagen kann ist, dass wir weder unsere Musik noch unsere Texte an Erwartungen anpassen. Baxaxaxa kommt aus unserem tiefsten Inneren. 
Viator:
Kann man bei Baxaxaxa zukünftig mit kontinuierlichem Output rechnen? Ist schon etwas in der Planung?
Condemptor:
Man kann in jedem Fall mit einem neuen Album im Jahr 2023 rechnen. Die Songs sind fertig und werden im Frühjahr aufgenommen. Auch dieses Album wird wieder bei The Sinister Flame erscheinen. Ansonsten stehen einige (internationale) Liveshows an. Darüber hinaus ist nichts sicher. Baxaxaxa lebt von der Inspiration. Wir werden nichts erzwingen aber auch nichts unterdrücken. 
Links zu Baxaxaxa:
Facebook: https://www.facebook.com/profile.php?id=100063600855338
Instagram: https://www.instagram.com/baxaxaxa_ungod/
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Baxaxaxa/12037#band_tab_discography
YouTube: https://youtube.com/@baxaxaxa9884
Bandcamp: https://baxaxaxa.bandcamp.com/
Baxaxaxa – Catacomb Cult (2021)
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Author: Viator
Autor bei Schwarze Flamme