Interview mit Totenwache (August 2022)

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Ich glaube, dass keine Band meinen persönlichen Musikgeschmack so sehr beeinflusst hat wie Totenwache. Die Mischung aus traditionellen finnischen Elementen und den keifenden deutschen Texten wurde von wenigen Bands so gut miteinander verbunden, wie von den Norddeutschen. Wird also Zeit, dass die Schwarze Flamme nochmal ein wenig nachbohrt, rekapitulieren lässt und Zukunftspläne erfragt.

Viator:
Selbstverständlich müssen wir wieder einmal recht banal anfangen. Wie kam es damals zur Gründung von Totenwache und wie findet man überhaupt Bandkollegen in Hamburg, die diese Musik mit einem spielen wollen?
Totenwache:
Animatrum und Host of Cinder kennen sich bereits mehrere Jahre und haben auch schon mehrere Bands gegründet und wieder aufgegeben. Den Wunsch, eine Black Metal Band zu gründen, gab es schon lange. Doch mitunter war dies, wegen einiger Hürden mit zusätzlichen Bandmitgliedern, nicht durchführbar. Erst mit dem Zuwachs durch Valfor kam alles richtig ins Rollen. In Hamburg findet man schwer Musiker für Black Metal, ist das Genre in dieser Stadt doch ziemlich verrufen. Wir hatten einfach Glück, was das betrifft.
Viator:
Wie waren damals die Reaktionen auf die erste Demo “Ursprung”? Wie steht ihr nach den Jahren jetzt zu dieser Veröffentlichung? Haben sich damals schon Zuhörer gefunden, da ja die Grundzüge der späteren erfolgreichen Werke schon zu erkennen sind?
Totenwache:
"Ursprung" war als Demo genau auch als solcher gedacht: der Ursprung von etwas Neuem. Besonders für uns, der Ursprung einer echten neuen Black Metal Band aus Hamburg. Die Reaktionen fielen damals schon besser aus, als wir dachten. Weswegen "Ursprung" auch relativ schnell vergriffen war. Wenn man die Demo im Vergleich zu heutigem Material vergleicht, ist aber nur noch wenig davon übrig geblieben. Wir haben uns, und unsere Fähigkeiten, weiterentwickelt. Inzwischen haben wir einen sehr hohen Standard an uns selbst, was das Komponieren spannend, aber auch teilweise langwierig macht. Die Zeiten von ganz simpler Aneinanderreihung von Elementen sind vorbei. Unsere Songs erzählen inzwischen auch ohne Text eine Geschichte, und so soll es auch weitergehen. 
Viator:
Wie kam es damals zur Zusammenarbeit mit Worship Tapes und Purity Through Fire?
Totenwache:
Beide sind durch unsere Konzerte im Osten Deutschlands auf uns aufmerksam geworden. Da wir die Arbeit und Hingabe von Worship Tapes und Purity Through Fire sehr schätzen, stand einer Zusammenarbeit nichts im Weg, und wird es in Zukunft auch nicht.
Viator:
Die “Verbrannte Erde”-Split ist damals zusammen mit “Mavorim” entstanden. Wie seid ihr aufeinander aufmerksam geworden und warum habt ihr beschlossen ein gemeinsames Werk aufzunehmen?
Totenwache:
Host of Cinder und Baptist kennen sich schon mehrere Jahre und haben beide, quasi parallel, Songs geschrieben und Musik aufgenommen. Der Wunsch nach einer direkten Zusammenarbeit bestand schon weit vor Mavorim und Totenwache. So war die Split die perfekte Möglichkeit dazu und im Grunde eine Arbeit unter vier Freunden. 
Viator:
Eure Einflüsse lassen sich als Hörer zu großen Teilen in der finnischen Black Metal Szene finden. Wo sind eure eigenen anfänglichen musikalischen Wurzeln und Einflüsse für die Band?
Totenwache:
Der größte Einfluss ist definitiv Black Metal aus Finnland. Es gibt kaum eine Musikart, die mich mehr beeinflusst hat. Allerdings sind auch die Frühwerke von Gorgoroth ein wichtiger Teil meiner Ideen. Infernus wie Shatraug sind Ausnahmetalente, die meiner Meinung nach immer etwas benachteiligt werden, wenn es um die "besten Gitarristen im Metal" geht. Dabei wird oft nur auf die technischen Fähigkeiten der Musiker geschaut, aber weniger auf die Fähigkeiten, Songs zu schreiben. Und genau da stechen die Bands dieser beiden immer stark hervor. 
Viator:
Eure Werke sind recht traditionell gefasst. Wie nehmt ihr selbst als Hörer und Musiker die Modernisierung im Black Metal war (sofern sie euch überhaupt interessiert) hinsichtlich Sound und verschiedenster Vermengung von Subgenres und Einflüssen die nicht dem ursprünglichen Gedanken der 80er und 90er entsprechen? Seid ihr gegenüber allem offen?
Totenwache:
Ich frage mich dabei, was ist denn "Modern"? Ich finde bis heute, dass "Maranatha" von Funeral Mist ein sehr modernes Black Metal Album war und ist. Oder ist der Mix aus Black Metal und Dungeon Synth modern, weil es relativ neu ist? Ich glaube aber, die meisten verbinden mit modernem Black Metal "Post". Und damit kann ich persönlich herzlich wenig anfangen. Es gibt hier und da zwar Ausnahmen, aber das meiste ist mir einfach zu weit weg von der Wurzel der Materie. Es gibt Bands, die sich Post Black Metal schimpfen, aber das "Black" komplett aus ihrer Musik und Attitüde streichen. Keine Ahnung, weshalb man sich dann noch "Black" nennen muss oder will. Es entzieht sich völlig meinem Verständnis, wenn Bands so anecken wie ein Flummi, oder glatter gebügelt sind als das Hemd eines CEO einer Firma in den Top 500, sich ausgerechnet als Black Metal bezeichnen müssen. Aber hey, Hauptsache Corpsepaint und schnelle Riffs, passt schon. Wozu sich mit der Materie auseinandersetzen, wenn Wikipedia und der örtliche Media Markt auch reicht. 
Viator:
Wir kommen auch im Jahr 2022 nicht drum herum noch einmal wenigstens kurz auf “Der Schwarze Hort” einzugehen. Ohne Zweifel wohl eines der wichtigsten deutschen Black Metal Alben der Neuzeit. Wie nehmt ihr das Album und den Erfolg darum eigentlich selbst nach mittlerweile 3 Jahren rückblickend wahr?
Totenwache:
Wir haben das Album nie als so wichtig für die Allgemeinheit betrachtet. Für uns als Band war es natürlich der bisher wichtigste Punkt. Auch der Erfolg, der mit dem Album kam, war für uns sehr überraschend. Noch kurz vor der Veröffentlichung haben wir gehofft, dass jemand unsere 500 gepressten CDs kauft, wenigstens die Hälfte, wäre schon ein Erfolg gewesen. Welche Fenster und Türen sich durch "Der Schwarze Hort" geöffnet haben, realisieren wir aber tatsächlich erst kürzlich. Klar, auch vorher haben wir Konzerte gespielt, gut bewertete Reviews erhalten, und Fans haben den Merch gerne gekauft. Trotzdem ist die Stimmung jetzt eine andere, es fühlt sich an, als könnten wir gerade nichts falsch machen und jeder Schritt wird begleitet mit etlichen positiven Meinungen unserer Hörerschaft. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus der neu gefundenen Energie und Leidenschaft nach der viel zu langen Corona-Zwangspause unter Fans und Bands, jetzt erst richtig loszulegen. Die Energie und Zeit, die wir in "Der Schwarze Hort" gesteckt haben, hat sich auf jeden Fall ausgezahlt und uns gezeigt, dass wir alles richtig gemacht haben und sich Qualität am Ende immer durchsetzt. 
Viator:
Dieses Jahr standen endlich mal wieder ein paar Liveauftritte aus, nicht zuletzt auch das Steelfest und das Schwarzmetall überm Miriquidi. Wie war es für euch, endlich mal wieder auf der Bühne zu stehen?
Totenwache:
So konsequente Live-Abstinenz haben wir ja nicht betrieben. Wo wir spielen konnten, während der 2 Jahre des bösen "C", haben wir das auch getan. Eine wirklich große Pause gab es da nicht. Da ist es uns eher wichtig, wo wir spielen. Das Steelfest ist natürlich etwas sehr besonderes, und als solches haben wir das auch betrachtet und sind dem mit vollem Eifer begegnet. Das Schwarzmetall über'm Miriquidi oder auch das Dark Troll, sind hingegen besonders, auf eine andere Art und Weise. Hier fühlen wir uns zu Hause. Die Besucher, die Veranstalter, die anderen Bands - das alles ist es, wofür wir dort sind. Letztendlich macht man gerade bei diesen Herrschaften sehr viel dafür, dass wir auch immer wiederkommen wollen. Egal ob als Band oder Besucher, wir sind gerne dort. 
Viator:
Nach der Kriegswesen EP und einer Single ist es zunächst etwas ruhiger geworden um euch, was zumindest neue Töne angeht. Letztens konnte man aber lesen, dass ihr doch an verschiedenen Sachen im Moment arbeitet. Könnt ihr uns hier etwas Einblick geben?
Totenwache:
Ganz aktuell ist neues Merch in der Mache. Wir möchten weg vom Merch der vergangenen Veröffentlichungen und hin zu etwas Neuem, was nicht an eine Veröffentlichung gebunden ist. So ganz wollen wir mit der Wahrheit noch nicht rausrücken, aber das wird nicht mehr allzu lange dauern. 


Musikalisch ist im Hintergrund ordentlich was los. Wir haben uns für einige Demo-Songs entschieden, an denen weitergearbeitet wird, um daraus dann ein neues Album aufblühen zu lassen. Unser selbst auferlegter Anspruch ist dabei sehr hoch und führt manchmal zu einem Umstand, bei dem man denkt, es immer noch besser machen zu können. Diese Zeit versuchen wir gerade zu überwinden, um vielleicht nicht noch etwas zu verschlimmbessern. Wann und in welcher Art und Weise das neue Album erscheint, ist dabei nicht zu beantworten. Es wird noch einige Zeit dauern, und da wir am Aufnehmen unserer Musik, sowie auch der Produktion, ebenso viel Anspruch haben, ist es sehr unwahrscheinlich, noch 2022 Neues von Totenwache im Plattenregal zu finden. Das mag jetzt für einige eine Enttäuschung sein, aber eine halbgare Scheibe wollen wir nicht abliefern. Und selbst eine, die nur zu 99% unseren Erwartungen entspricht, ist uns nicht gut genug. 
Links zu Totenwache:
Facebook:        https://www.facebook.com/totenwache
Metal Archives:  https://www.metal-archives.com/bands/Totenwache/3540427764
Bandcamp:        https://totenwache.bandcamp.com/
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Author: Viator
Autor bei Schwarze Flamme